Etappenziel Wörthersee - nach fast 1000 km haben Auto und Passagiere eine Auszeit verdient

Der Sommer steht vor der Tür und damit die Frage, ob denn ein Elektroauto auch für den Trip in die Urlaubsregion geeignet ist, wenn diese nicht unmittelbar vor der Tür liegt. Wir haben das einfach mal ausprobiert und mit dem Opel Astra Sports Tourer Electric den Weg nach Kroatien angetreten – 1500 Kilometer Distanz. Nicht an einem Stück, sondern in zwei Etappen.

Das Elektroauto als alltägliches Fahrzeug zum Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz, das ist zweifellos ein in der Gesellschaft akzeptiertes Thema. Doch was ist mit den „zahllosen“ Langstrecken, die wir so absolvieren? Nüchtern betrachtet ist das der eine oder andere Ferientrip oder mal der Exkurs zu Freunden, Eltern und Schwiegereltern. Doch machen wir einfach mal die Probe aufs Exempel und fahren rein elektrisch „in den Urlaub“. Noch dazu in eine auf den ersten Blick elektrisch nicht so gut erschlossene Region.

Unser Gefährt der Wahl? Ein Opel Astra Sports Tourer Electric. Der schicke Kombi verbindet viel Platz, gutes Design und hohe Alltagstauglichkeit. Die technischen Daten sind völlig „normal“. Im Astra steckt der aktuelle Antriebsbaulasten mit einer 54 kWh fassenden Batterie und dem neuen, sparsamen Motor, der 100 kW liefert. Die maximale Ladeleistung liegt ebenfalls bei diesem Wert. Der elegante Rüsselsheimer gehört also mithin nicht zu den „Lademonstern“, sondern bietet vergleichsweise konservative Werte. Doch das macht in Kroatien und Slowenien, das wir auf dem Weg dorthin durchqueren, gar keinen so großen Unterschied.

Erste Etappe – Von Düsseldorf zum Wörthersee

Wir haben uns die 1500 km in zwei ungleiche Stücke geteilt. Am ersten Tag wollen wir Strecke machen, knapp 100 km durch Deutschland und Österreich. Das Ziel ist das Hotel Ibis am Wörthersee. Klingt romantisch, ist aber auf dem Papier „nur“ ein Hotel an einer Raststätte. Dicker Pluspunkt: Vor der Tür sind gleich mehrere HPC-Lader, sodass der lückenlosen Befüllung bis 100 Prozent SoC nichts im Wege stehen sollte.

Der erste Reisetag ist ein Sonntag. Bis zur Abfahrt darf der Astra an der Wallbox naschen, sodass zum Start satte 422 km Reichweite im Bordcomputer stehen – der WLTP-Wert. Das wird sich im Laufe der Fahrt relativieren, allerdings weniger, als man denkt. Den ersten Stopp nach relativ flotter Fahrt machen wir dann nach knapp 250 km in Rodgau, ein Stück hinter Frankfurt. 15 Prozent stecken noch im Akku, was gut 40 Kilometern Restreichweite entspricht. An der Ladesäule von IONITY kann der Astra mit voller Kraft nuckeln, die maximal 100 kW schüttelt der flotte HPC-Lader lässig aus dem Ärmel.

 

Erster Ladestopp nach 250 km - trotz flotter Fahrt mit moderatem Verbrauch

Stopps – nach Plan und auch anders

Die zweite Etappe führt uns Nach Nürnberg. Dort hatten wir eigentlich die Schnellader an der Raststätte Feucht ins Auge gefasst, doch diese sind an diesem Tag mit Flatterband abgesperrt. Hätten wir dem Opel mit seiner Ladeplanung die Tour überlassen, wäre das sicher nicht passiert, aber mit unserer händischen Planung und nur wenig Restakku beschließen wir, die Autobahn zu verlassen. Abhilfe schafft eine immerhin 150 kW schnelle Ladesäule an einem Rewe, der natürlich Sonntags geschlossen hat.

Nächster Ladestopp ist dann Holzkirchen in der Nähe von München. Auch hier liefert IONITY wieder volle Leistung, weit mehr, als der Opel abnehmen kann. Macht aber nichts, denn viel länger als der obligatorische Gang zur Toilette und die Versorgung mit ein bisschen Fastfood dauert der Ladevorgang nicht. Das entspannte Essen zahlt sich aus. Als wir die Raststätte verlassen, ist der Akku bei gut 90 Prozent angekommen, genug, um damit die verbleibenden 300 km bis zum Hotel zu absolvieren. 

Fast Charge für den Opel - Fast Food für uns

Dank moderater Gangart und Tempolimits in Österreich ist das auch kein echtes Problem,  979 km und gut 12 Stunden nach dem Start parken wir vor dem Ibis ein. Das Laden vertagen wir entspannt auf den kommenden Morgen. Das Ibis ist übrigens auf dem Weg nach Süden eine echte Empfehlung, denn die Zimmer sind zwar einfach, aber zweckmäßig eingerichtet und ihren Preis mehr als Wert. Unbezahlbar ist der Seeblick, in der oberen Etage sogar verbunden mit einem Balkon. So kann man bestens elektrisch reisen. Das Frühstück gibt es dann im exzellent bestückten Marché-Restaurant der Raststation – ebenfalls mit Panoramablick auf den Wörthersee.

Zweite Etappe – Wörthersee – Slowenien – Kroatien

Die zweite Etappe ist ein wenig „Terra Incognita“. Die Routenplanung sowohl des Astra als auch unserer diversen Apps verspricht ausreichend Lademöglichkeiten entlang der Route, lassen wir uns also überraschen. Kurz nach der Grenze geht es nach Slowenien. Vor uns liegt ein Mix aus Autobahn und ganz offensichtlich, um den Umweg über Zagreb zu vermeiden, ein ordentliches Stück Landstraße. Nachdem wir an Ljubljana vorbei sind, beschließen wir, einen der als Schnellader ausgewiesenen Ladepunkte an der Autobahn anzusteuern, bevor es entlang der Landstraße vielleicht knapp wird. Alle Lader entlang der Autobahnen scheinen 50 kW „starke“ Exemplare zu sein. Klingt wenig, reicht aber, um den Opel etwas langsamer als gewohnt fit für die nächste Etappe zu machen. Mit moderater Gangart wären wir auch schon bis hinein nach Kroatien gekommen, beispielsweise nach Brinje, wo dann ebenfalls 50 kW-Lader zu finden sind. Bei einer anderen Routenplanung hätten wir aber auch den Weg nach Rijeka wählen können. Als Route langsamer, dafür mit einer IONITY-Station.

„Der Opel Astra Sports Tourer Electric ist ein extrem gutes Reiseauto“

In Kroatien haben wir bei der Wahl der Ladestationen einmal ins berühmte „Klo gegriffen“. Einer der Lader wollte partout nicht mehr als 67 Prozent ins Auto bugsieren, was uns zu einem weiteren Ladestopp entlang der Route verholfen hat. Genauer gesagt etwas abseits der Route, denn um zu einem weiteren echten HPC zu gelangen, muss man erst von der mautpflichtigen Autobahn herunter. Angesichts der Ladeleistung des Astra wäre wahrscheinlich ein Stopp an einer langsameren Station, dafür direkt an der Autobahn in Summe genauso schnell gewesen. Aber wir wollen ja reisen, nicht rasen.

Sieht kräftig aus, liefert aber nur 50 kW. So sehen viele Ladestationen entlang unserer Route aus

Das Ziel? Nach rund 18 Stunden fahr- und Ladezeit sind wir in Split

Am Nachmittag des zweiten Reisetages kommen wir dann nach rund 580 km an unserem Ziel in der Nähe von Split an. Die gut 20 Prozent Restakku dürfen wir vor Ort an der Steckdose auffrischen. Glücklicherweise haben wir Opels Universal Charger Set an Bord, mit dem sich eben nicht nur Wallboxen nutzen lassen, sondern auch Drehstromsteckdosen und eben normale Haushaltsstecker. Klar, die Ladeleistung ist hier nicht beeindruckend, aber über Nacht ist der Opel schon wieder zu 75 Prozent befüllt und vor der Abfahrt hilft uns das Set, wieder mit 100 Prozent starten zu können.

Die Rückfahrt

Die Rückfahrt verläuft quasi entlang derselben Route. Da wir spät loskommen, planen wir wieder das Ibis ein. In Slowenien wechselt das Panorama in der Dämmerung von beeindruckenden Waldlandschaften zu zahllosen Rehen entlang der Landstraße. Am Wörthersee gibt es wieder die obligatorische „Laden bis zum Anschlag“, um am Folgetag mit drei Stopps wieder ins heimische Düsseldorf zu gelangen. Auch hier benötigen wir wieder rund 12 Srtunden und 30 Minuten, wobei eine halbe Stunde dem extrem langsamen Restaurantservice an einem unserer Stopps geschuldet ist. Ansonsten hätten wir uns die Zeit dort auch mit dem Saugen des Autos verkürzen können, denn an der Aral Pulse in Höchstadt an der Aisch hat man clever eine entsprechende Vorrichtung in die Station integriert. 

Zudem kann der Opel auf der Habenseite extrem gute Sitze und einen perfekt gedämmten Innenraum verbuchen. Dank CarPlay (und Android Auto) hat man seine präferierten Navigationstools zur Hand. Das Audiosystem kann sich auch ohne großen Namen hören lassen und hinter der Rücksitzbank bietet der Astra ausreichend Stauraum, auch für großes Gepäck. Wir freuen uns schon auf die nächste Tour.

„Reisen mit dem E-Auto ist absolut entspannend“

Wir demonstrieren es ja jedes Jahr wieder mit der ED 1000. Langstrecke ist mit dem Elektroauto heute kein Thema mehr. Und wer nun entgegnet, dass das mit einem größeren Akku und schnellerer Ladeelektronik noch stressfreier ginge, hat sicherlich recht. Andererseits hat sich der Astra auf unserem Marathon mit einem Gesamtverbrauch von 15,9 kWh/100 km hervorragend geschlagen. Mit zwischen 250 und 300 km realistischer Distanz zwischen den Stopps lässt es sich hervorragend planen und Fahrzeuge mit höherer Ladeleistung müssen im Ausland eventuell Umwege in Kauf nehmen, um entsprechend schnelle HPC-Lader anzufahren, falls es diese denn entlang der Route überhaupt gibt.