Anzeige

Manchmal muss man Mut haben. Den Mut, Dinge anders zu machen. Genau diesen hat Mazda bei seinem ersten Elektroauto beweisen. Der MX-30 denkt Elektromobilität konsequent anders. Mit zukünftigen Range-Extender-Konzepten statt Batterieorgien. Wir haben uns zwei Wochen mit dem schicken Japaner bewegt.

Mazda MX-30 Keramik Weiß Front Ansicht

Das Thema Elektrifizierung ist lange scheinbar an Mazda vorbeigegangen, doch mit dem MX-30 präsentierten die Japaner im Sommer ihr reinelektrisches Erstlingswerk. Nach unserem ersten Test in Ausgabe 4.2020 konnten wir das außergewöhnliche Crossover nun auch mal längere Zeit im Alltag bewegen.

König der Kurzstrecke, zunächst einmal

Bei Mazda hat man bewusst darauf verzichtet, dem MX-30 eine riesige Batterie mit auf den Weg zu geben. Man nennt das „Rightsizing“ und verfolgt damit den Ansatz, vor allem Mobilität in und um Städte zu realisieren. Schaut man sich den typischen Mobilitätsbedarf in Deutschland an, dann reicht das Package, das Mazda hier auf die Räder gestellt hat, völlig aus. Die WLTP-Reichweite liegt bei 265 km und auch wenn es in unserem Test eher weniger war, liefert der Akku dennoch genug Ausdauer für die täglichen Strecken. Egal ob man zum Job pendelt oder ob die typischen Alltagsroutinen absolviert, ist die Kapazität mehr als ausreichend. Wer hingegen Langstrecken absolvieren muss oder dies zumindest öfter tun möchte, sollte sich das genau durchrechnen. Auf der Autobahn kommt nach etwa 150 km langsam das Gefühl auf, nach der nächsten Ladestation Ausschau halten zu müssen.

Der Verbrauch bei 120 km/h lag in unserem Test bei circa 19,6 kWh je 100 km. Drosselt man das Tempo, steigt die Reichweite deutlich: Bei 100 km/h waren es noch etwa 14,8 kWh. Auf der Landstraße bei 80 Sachen genehmigte sich der MX-30 sogar nur noch 13,3 kWh. Richtig effizient wird er in der Innenstadt. Dank viel Rekuperation vermeldete der Bordcomputer dort gerade einmal 10,6 kWh je 100 km – so kann man lässig gleiten. Wenn sich der Ladezustand der Batterie der 30 % Marke nähert, warnt der MX-30 seinen Fahrer bereits, also steuern wir zeitnah eine flotte Allego-Ladestation an.

Mazda MX-30 Lädt mit Bedacht

Mit etwa 18 Prozent Akkukapazität trudeln wir an der Säule ein und verbinden den Mazda via CCS. Nominell schafft er 50 kW Ladeleistung, insgesamt landen wir über die gesamte Ladezeit bei gemittelten 35 kW. Das befüllen dauert also ein wenig, was uns Zeit gibt, die Snack-Vorräte ein wenig aufzufüllen. Wir starren also in den grauen, gelegentlich von Sonne durchschienenen Himmel am Rasthof Lippetal während die Eicheln auf das Dach des Mazda MX-30 prasseln. Während wir an unseren Snacks knabbern, haben wir Zeit, Ex- und Interieur des Mazda genauer unter die Lupe zu nehmen.

Designtechnisch pfiffig, aber ein wenig unpraktisch: die gegenläufig angeschlagenen hinteren Türen verhindern, dass man mal eben etwas auf die Rückbank werfen kann. Genauso verkomplizieren sie das Einsteigen in engen Garageneinfahrt oder in Parkhäusern. Dafür kann man sicher sein, dass der Nachwuchs in der hinteren Reihe nicht unbeaufsichtigt aussteigt. Insgesamt ist der MX-30 aber ein sehr elegantes Fahrzeug, das auch den Umstehenden zu gefallen scheint.

Auch an Wechselstrom gehört der MX-30 nicht zu den Klassenbesten. Mit gerade mal 6,6 kW Ladeleistung bekommt man ihn an einer Ladesäule oder Wallbox zwar in rund 6 Stunden wieder voll, schnelle Ladestopps sind aber auch hier kein richtiges Thema. Müssen Langstreckenfahrer nun der Marke Mazda völlig entsagen? Nun, es gibt Hoffnung. Wer die Fronthaube öffnet, entdeckt, dass hier noch verdammt viel Platz ist. Und in der Tat haben die Japaner geplant, den MX-30 auch in einer Version mit einem Range-Extender zu produzieren. Dann wird sich dort vorne kein schnöder Normal-Verbrenner verstecken, sondern ein schicker Wankelmotor. Dieser hat den Vorteil, sehr kompakt zu sein, ausgesprochen laufruhig und geradezu prädestiniert dafür, bei konstanten Drehzahlen Strom zu produzieren, denn den direkten Antrieb des Mazda soll er nicht übernehmen. Wir dürfen also gespannt bleiben.

Mazda MX-30 Interior mit Kork

Komfort und viel Ausstattung

Positiv: Die Vollausstattung des Fahrzeugs mit Navigation, Head-up-Display sowie Sitz- und Lenkradheizung. Der MX-30 ist mit allem erdenklichen Komfort ausgestattet und besitzt ein auch optisch wie von den Materialien her sehr ansprechendes Interieur. Statt auf Leder sitzt man hier auf edlem Stoff und in den Türen sowie der Mittelablage verweisen Einlagen aus Holz auf die Historie des japanischen Unternehmens.

Sehr gelungen ist auch die CarPlay Integration. Wenn man im CarPlay Modus ist, kann man mit den Hard Keys des Infotainments für Musikquelle und Navigation zwischen den jeweiligen Apps bei CarPlay wechseln. Das funktioniert auch, wenn man zum Beispiel die Navigation von TomTom statt Apple Maps benutzt. Anschlüsse für USB und 12 V sowie erfreulicherweise sogar eine Schokosteckdose sind vorhanden, allerdings verstecken sie sich hinter der Mittelkonsole. Man muss sie erst einmal entdecken. Im Dunkeln sind sie recht schwer zu ertasten und zu bedienen. Toll gemacht ist hingegen das Multifunktionslenkrad mit Tasten die wirklich an der richtigen Stelle positioniert die richtige Funktion erfüllen.

Not for everybody

Klingt das jetzt für ein Elektroauto alles ein wenig durchwachsen? Mag sein. Doch wenn man es realistisch betrachtet, genügt der MX-30 den Ansprüchen unserer Mobilität zu mehr als 90 Prozent. Wer also nicht unbedingt den nächsten Sizilien-Trip damit antreten möchte, liegt hier durchaus richtig. Vom Gesamteindruck her ist der Mazda ein kompaktes Stück Luxus mit Vollausstattung. Sieht man das in Relation zum Preis von etwa 32.600 Euro, dann kann man dem Mazda durchaus bescheinigen, ein gutes Angebot zu sein. Schließlich ist er zudem mit 9.000 Euro förderfähig und würde als Dienstwagen gerade mal eine Versteuerung von 0,25 Prozent verursachen.

Mazda MX-30

Kompakter Crossover mit viel, viel Ausstattung und pfiffigem Design. Was ihm und uns zum automobilen Glück fehlt, ist mehr elektrische Langstreckentauglichkeit und flottere Ladeelektronik. Ansonsten aber ein Lichtblick in der Elektroszene.

Infos:

Fahrzeugkategorie:                Crossover

Typ:                                        batterieelektrisch

Antrieb:                                  Frontantrieb elektrisch

                                               Elektromotor 107 kW

Technik/Kapazität:                 Li-Io, 35,5 kWh

Reichweite / Ladegeschwindigkeit

Reichweite (WLTP):                320 km

Ladeleistung AC:                    11 kW

Ladezeit AC auf 100%:           300 min

Ladeleistung DC:                    50 kW

Ladezeit DC 20 auf 80%:        ca. 40 min

Performance

Höchstgeschwindigkeit:         140 km/h

Beschleunigung

0-60 km/h                              –

0-100 km/h:                           9,7 s

Verbrauch WLTP:                   17,3 kWh/100 km

Verbrauch im Test

City:                                        10,6 kWh/100 km

Landstraße:                            13,3 kWh/100 km

Autobahn 100 km/h:              14,8 kWh/100 km

Autobahn 120 km/h:              19,6 kWh/100 km

Technische Daten

Abmessungen:                       4395 x 1795 x 1570 mm

Leergewicht / Zuladung:        1720 kg / 474 kg

Kaufpreis inkl. Akku:              ab 32.646 Euro