Hierzulande sind „kubistische“ Automobile nicht ganz so erfolgreich wie andernorts. Zu Unrecht, wie wir finden. Der e-Soul von Kia ist nicht nur ein echter Charakter, sondern auch ein verdammt gut kombiniertes Elektroauto.

Den „kantigen“ Automobilen, die aus dem asiatischen Markt zu uns kamen, war selten kommerzieller Erfolg beschert. Ob Daihatsu Materia, Nissan Cube oder eben der Soul von Kia – meist führten sie ein Schattendasein zwischen den deutlich begehrteren Limousinen oder Kombis. Nun, in Zeiten der SUVs und Crossover wirkt ein eher würfelförmiges Auto noch exotischer, dabei hat die Form zahllose Vorteile.

Viel Platz und Komfort

Da wäre zunächst einmal der umbaute Raum, denn der ist bei einem Kubus nun einmal maximal im Verhältnis zur Grundfläche. Mit gut 1,60 m Höhe, annähernd der gleichen Breite ohne Außenspiegel und einer Länge von knapp 4,20 m wildert der e-Soul vom Footprint her in den Regionen eines VW Golf, ist aber satte 10 cm höher. Dass und die steil abfallenden Kanten garantieren nicht nur ein überzeugendes Raumgefühl, sondern auch besten Überblick, denn der Kia hört ziemlich genau dort auf, wo man es vermutet. Nicht, dass das relevant wäre, denn zum Parken und Manövrieren gibt es zahlreiche Helfer, doch dazu später mehr. Insgesamt kann man den e-Soul als aktuell einzigen Vertreter dieses Formfaktors bezeichnen und genau das macht seinen Reiz aus.

Man sitzt aufrecht, hat aber dennoch reichlich Raum über sich und insofern viel Freiheit in jede Richtung. Das gilt auch auf der Rückbank und selbst dahinter findet sich noch reichlich Platz für Gepäck, zudem ein doppelter Boden unter dem sich vortrefflich die übliche Kabelage des Elektromobilisten verstecken lässt. Doch das Interieur bietet noch mehr durchdachte Features. Augenfällig ist vor allem der große Touchscreen über den sich das bordeigene Infotainment nutzen lässt, aber natürlich auch Apple CarPlay und Android Auto. Dazu wird das Smartphone mit dem leicht zugänglichen Anschluss in der Mittelkonsole verkabelt und fertig. Je nach Ausstattung gibt es hier auch eine drahtlose Lademöglichkeit, da wäre es natürlich genial, wenn der e-Soul auch Wireless CarPlay beherrscht, was aber aktuell leider noch nicht der Fall ist.

In der Mittelkonsole finden sich auch der große Drehregler für die Fahrstufen und den Fahrmodus. Hier kann man zwischen Eco, Normal und Sport wählen, die zugehörigen Parameter in Sachen Rekuperation und Klimaautomatik sind übrigens nicht fest vorgegeben, sondern können ebenfalls individualisiert werden. Außerdem finden sich hier die Taster für Sitz- und Lenkradheizung sowie in der gehobenen Ausstattung auch die Sitzkühlung. Beides Feature, die gerade im Elektroauto sehr viel Sinn machen, weil man sich so den Einsatz von Heizung oder Klimaanlage sparen kann.

Interior vom Kia e-Soul

Beispielhaftes Infotainment

In Sachen Lautsprechern kommt in den beiden höheren Ausstattungsvarianten namens Vision und Spirit bereits ein Harman/Kardon-System mit 10 Lautsprechern und einer Gesamtleistung von 640 Watt zum Einsatz. Die Leistung steht hier nicht nur auf dem Papier, sondern macht sich wirklich klanglich bemerkbar. Surroundsound und Klangoptimierung mit einem DSP liefern einen beeindruckenden Klang. An Details wie den direkt im Armaturenbrett untergebrachten Hochtönern, die direkt auf die Frontpassagiere strahlen, merkt man, dass das Thema Infotainment hier von Anfang an konsequent durchdacht wurde. Als optische Krönung gibt es in der Topausstattung namens Spirit eine Beleuchtung in den Lautsprechergittern, die im Takt der Musik pulsieren kann.

Zum Infotainment gehört natürlich heute auch eine App, mit der man sein Auto im Griff hat. Im Falle des Kia e-Soul hört diese auf den Namen UVO. Diese bietet die üblichen Features wie eine Fernabfrage des Ladezustands. Auch gibt es die Möglichkeit, sein Auto zu finden und sogar die Zentralverriegelung aus der Ferne zu betätigen. Außerdem kann man seine Routenplanung gleich in der App erledigen und diese dann ans Auto senden. Auch die Vorklimatisierung kann hierüber konfiguriert werden, was jeder zu schätzen weiß, der nicht tagtäglich zu den gleichen Zeiten ins Auto springen muss.

Seitliche Aufnahme vom Kia e-Soul in Blau

Die Qual der Wahl – die Akkugröße

Es ist ausgesprochen lobenswert, dass Kia den e-Soul mit zwei Akkugrößen anbietet. Der kleinere Batteriespeicher hat eine Kapazität von 39,2 kWh, wodurch der Einstiegspreis bei ausgesprochen fairen 33.990 Euro liegt. Die mit 64 kWh deutlich größere Variante startet in der Ausstattung Edition 7 bei 37.790 Euro. Mit dem größeren Akku bekommt man auch einen Antrieb mit mehr Dampf. Während die kleinere Version 100 kW liefert, steckt im „großen“ e-Soul ein Motor mit 150 kW. Das macht sich beim Spurt auf 100 km/h bemerkbar, wo nur 7,9 statt 9,9 Sekunden vergehen. Auch in der weniger relevanten Endgeschwindigkeit hat der e-Soul 204 mit 167 statt 157 km/h auch die Nase vorn. Im WLTP-Verbrauch unterscheiden sich beide Varianten kaum, 15,6 bzw. 15,7 kWh auf 100 km sind ein überaus respektabler Wert, den auch unsere Testfahrten bestätigen konnten.

Wir hatten den Kia e-Soul 204 zum Test zur Verfügung, dem man bescheinigen kann, dass er ausgesprochen viel Spaß macht. Man reist komfortabel, leise und – wie angesprochen – mit sehr viel Platz. Das Infotainment ist ein Genuss, die CarPlay-Integration sehr gelungen. So werden auch lange Trips unterhaltsam. In der Stadt kann der Kia mit seinem guten Wendekreis von gerade mal 10,6 Metern punkten. Generell ist die tolle Kiste beim Rangieren extrem übersichtlich, natürlich helfen Parksensoren und die Rückfahrkamera mit ihrem ansprechenden Bild.

Überhaupt ist clevere Sensorik, wenn auch teils gegen Aufpreis eine der großen Stärken des Kia. Das Frontkollisions-Warnsystem erkennt nicht nur Autos, sondern auch Fußgänger und Radfahrer. Der Spurwechselassistent behält den toten Winkel im Blick und bei Rückwärtsfahrt warnt die Sensorik vor Querverkehr, den man vielleicht übersehen hat. Noch mehr Helfer gewünscht? Der Spurhalteassistent zieht einen mit Nachdruck wieder auf den richtigen Weg und warnt mit erzieherischen Signaltönen, wenn man ohne Blinker die Fahrspur wechselt. Wem das zu viel Sorgfalt ist, der kann diese Funktionen selbstverständlich deaktivieren. Und die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage hält im Rahmen der vorgewählten Geschwindigkeit automatische den Abstand zum Vordermann und das auch im Stop-and-Go-Verkehr. Im Stau kann der e-Soul zudem auch die Fahrspur halten und entlastet den Fahrer so zusätzlich.

Den Kia e-Soul flott laden, sparsam fahren

Gegen Aufpreis saugt der e-Soul dreiphasig mit bis zu 10,5 kW n Wechselstrom, serienmäßig kann der Onboard-Lader 7,2 kW. An Gleichstrom dürfen es bis zu 80 kW sein. Womit der große Akku in etwa 54 Minuten wieder auf 80 Prozent geladen ist. Das ist okay, allerdings aktuell kein Glanzwert. Bei der kleineren Akkuvariante ist bei 50 kW Schluss, daher benötigt man auch hier knapp eine Stunde, um wieder mit 80 Prozent durchstarten zu können. Das können andere besser, dafür sind sie aber auch nicht so genügsam wie der e-Soul.

In der Stadt lag unser Verbrauch bei etwa 12,3 kWh je 100 km. Allerdings herrschten Mitte November auch nicht gerade optimale Wetterbedingungen. Bei Landstraßentempo waren es etwa 14,2 kWh, auf der Autobahn knapp 22 kWh bei 120 und rund 20 kWh bei 100 Sachen. Im Sommer dürften hier noch deutlich bessere Werte zu erzielen sein, sodass die WLTP-Angaben durchaus realistisch erscheinen.

Großen Anteil am Verbrauch hat die vielfältig regelbare Rekuperation. In vier Stufen kann diese mit den Paddles am Lenkrad variiert werden, zudem gibt es einen adaptiven Modus, bei dem sich der Kia am vorausfahrenden Verkehr orientiert. Im Prinzip kann man so den Koreaner einfach „machen lassen“, aber das Spiel an den Wippen macht einfach zu viel Spaß, um es zu lassen. So hat man relativ schnell seine bevorzugten Rekuperationsstufen heraus und kommt im Alltag nahezu ohne echten Bremseinsatz aus.

Close up vom Soul Schriftzug auf dem Kia e-Soul

Unsere Empfehlung für den Kia e-Soul? Die 64 kWh Variante

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Kia e-Soul ein wirklich guter Griff ist. Seitens Kia, aber eben auch für jeden Käufer. Man bekommt eine Menge für sein Geld, Fahrkomfort und Ausstattung sind gemessen am Preis absolut top und auch die erzielbaren Reichweiten sind dank des fairen Verbrauchs völlig im grünen Bereich. Wer sehr viel Langstrecke fährt, dürfte sich schnelleres DC-Laden wünschen, ansonsten gibt es aber in diesem Punkt nichts zu meckern. Wir sind große Fans des e-Soul, denn neben der ausgereiften Technik und dem beeindruckenden Komfort bietet er vor allem eins – Charakter. Es ist eben nicht noch ein Crossover, sondern eine Bauform, die durchaus als Statement gelten kann. Und damit echtes Understatement.